Keine andere Tiergruppe wird in der deutschen Landwirtschaft so häufig gehalten wie das Geflügel. Davon alleine hundert Millionen Masthühner, die in riesigen Scharen zusammengepfercht in großen Hallen leben. Sie stehen stellvertretend für die gesamte Geflügelhaltung in Deutschland.
Beim Gedanken an Hühner kommen vielen Menschen sofort idyllische Bilder in den Kopf: Hühner, die auf einer grünen Wiese laufen, nach Würmern picken und ein dominanter Hahn, der von einem Misthaufen herunter kräht. Eine naive Vorstellung in Zeiten der modernen Landwirtschaft. Denn wie bei anderen sogenannten Nutztieren hat auch die heutige Haltung von Geflügel wenig mit der Idylle im Kopf gemein.
Aber Tatsache ist auch, dass es für den Normalbürger zunehmend schwieriger geworden ist, sich ein eigenes und authentisches Bild davon zu machen, wie diese Tiere tatsächlich gehalten werden. Denn Geflügelhaltungen sind aus dem unmittelbaren Blickfeld der Menschen weitgehend verschwunden. So werden gerade Hühner und Puten, die wirtschaftlich bedeutendsten Vogelgruppen, mittlerweile überwiegend in riesigen, geschlossenen Hallen gehalten, die nur entfernt an traditionelle Ställe erinnern. Masthühnerställe mit weniger als 10.000 Tieren sind schon eine seltene Ausnahme.
Die deutsche Landwirtschaft setzt auf allerlei Federvieh: Neben Hühnern und Puten werden 2,8 Millionen Enten und rund 500.000 Gänse gehalten, seltener auch Wachteln, Fasane oder Perlhühner. Und – ungeachtet der massiven Kritik der Tierschutzverbände - seit Beginn der 90er Jahre ebenso exotische Vögel im XXL-Format: die bis zu 150 Kilogramm schweren afrikanischen Straußenvögel.
Kernforderungen des Tierschutzes:
Möglichkeit zum Ausleben des Normalverhaltens. Dazu gehören tiergerechte Besatzdichten (bspw. maximal 21 kg/m² bei Masthähnchen), außerdem strukturierte Gehege mit erhöhten Sitzplätzen und Möglichkeiten zur Beschäftigung samt Auslauf ins Freie
Verwendung robuster Tiere und Änderung der Zuchtziele hinsichtlich einer verbesserten Gesamtvitalität und eine deutliche Verlängerung der Mastzeiten
Tierschutzgerechte Verladung und Beaufsichtigung geschulter Fängerkolonnen durch sachkundige Personen
Kurze Transportwege und die Gewährleistung einer stressarmen und schmerzfreien Schlachtung
Kennzeichnung des Fleisches mit dem Haltungssystem und ein Preis, der die erhöhten Tierschutzanforderungen reell widerspiegelt