Im vergangenen Jahr wurde auf der
Wildvogel- und Igelstation Kirchwald ein erwachsener Igel in einem erbarmungswürdigen Zustand aufgenommen: Er war mager, geschwächt, dehydriert, von Parasiten übersät und wurde von einem schlimmen Husten geplagt.
Als seine Pflegerin ihm während der Untersuchung über das Stachelkleid strich, fielen dem Kerlchen sämtliche Stacheln und kurz darauf auch noch das Bauchfell aus. Vor den Mitarbeitern saß ein völlig nackter und ausgesprochen missmutiger Igel. Der Grund für das Malheur war, dass seine Haut stark verkrustet, an vielen Stellen entzündet und eitrig war.
Auf die Medikamente und das regelmäßige Wellnessprogramm mit Spezialbad und Kokosnussöl-Massage hätte der Nackedei zwar gern verzichtet, aber was sein muss, muss sein. Es war klar, dass dieser Patient länger bleiben würde. Daher bekam er entgegen den üblichen Gepflogenheiten einen Namen: Eddy. Zum Glück hatte Eddy einen starken Lebenswillen, ausgezeichneten Appetit und nahm kräftig zu. Ende November war sein Husten auskuriert und er durfte sein mit Laub und Stroh kuschelig ausgepolstertes Winterschlafhäuschen beziehen.
Die Mitarbeiter bangten sehr, ob ihr Sorgenkind den Winter überstehen würde. Am 15. April dann die erlösende Nachricht: Eddy ist wach! Während des Winterschlafs war ihm ein dichtes Bauchfell gewachsen. Im Mai waren die ersten neuen Stacheln unter der Haut zu ertasten und Ende Juni konnte man Eddy wieder guten Gewissens einen „Stachelgesellen” nennen.
Nach fast einem Jahr erfolgreicher Pflege auf der Igelstation freuen sich Eddys Finder nun darauf, den tapferen Kämpfer in sein angestammtes Revier zurückzubringen – komplett mit Fell und Stacheln, bereit für ein neues, hoffentlich erfreuliches Igelleben.